Vielpfeifer können massiven Schiedsrichter-Fehlbestand noch ausgleichen

Von Helmut Willuhn und Marcel Baack. Hintergrundinfos zum Schiedsrichter-Fehlbestand i.H.v. 53 Schiedsrichtern in der abgelaufenen Saison 18/19.

In der abgelaufenen Saison 2018/2019 wurden die Schiedsrichter des NFV-Kreis Stade zu knapp 3.500 offiziellen Ansetzungen als Schiedsrichter oder Schiedsrichter-Assistent eingeteilt. Um alle Spiele mit ausreichend Schiedsrichtern besetzen zu können, ist jeder Verein laut NFV-Spielordnung verpflichtet, für jede, zu den Punktspielen gemeldete Mannschaft, die in Staffeln mit angesetzten Schiedsrichtern spielt, einen Schiedsrichter zu stellen. Im NFV-Kreis Stade gab es letzte Saison exakt 180 Mannschaften, bei denen angesetzte Schiedsrichter eingeteilt wurden. Sprich, die 36 Vereine im NFV-Kreis Stade mussten in der letzten Saison mindestens 180 Schiedsrichter für den Spielbetrieb stellen.

Dass diese Rechnung nicht aufgehen kann, wird schon dadurch deutlich, dass von diesen 180 Mannschaften alleine bei 32 Mannschaften im Ligabetrieb zusätzlich Assistenten angesetzt werden. Dennoch müssen auch diese Mannschaften nur einen anstatt drei Schiedsrichter für den Spielbetrieb stellen. Hinzu kommt, dass durch den Schiedsrichter-Ausschuss des NFV-Kreis Stade zusätzlich noch Ansetzungen für Mannschaften vorgenommen werden, die nicht in das Schiedsrichter-Pflichtsoll mit einfließen. Zum Beispiel: C-Junioren Futsal, C- und B-Juniorinnen Futsal, Ü40-Kreispokal etc.

Doch kommen wir zurück zu den Zahlen, mit denen wir arbeiten müssen: Werden diese 3.500 Ansetzungen gleichmäßig auf das vom NFV vorgegebene gesamthafte Schiedsrichter-Pflichtsoll in Höhe von 180 Schiedsrichtern aufgeteilt, müssten diese hypothetischen 180 Schiedsrichter 19,4 Ansetzungen pro Saison wahrnehmen.

Diese Zahlen lassen sich allerdings nicht 1:1 auf die Realität übertragen: Denn lediglich 58 der circa 200 aktiven Schiedsrichter haben in der abgelaufenen Saison mindestens 20 Ansetzungen als Schiedsrichter oder Schiedsrichter-Assistent wahrgenommen. Das sind noch nicht einmal 30 Prozent. Dies heißt, dass dem NFV-Kreis Stade eigentlich 122 Schiedsrichter fehlen, die bereit sind, pro Saison mehr als 20 Ansetzungen wahrzunehmen. Würden die Vereine im NFV-Kreis Stade für diesen Fehlbestand zur Kasse gebeten werden, würden sich Strafzahlungen im mittleren fünfstelligen Bereich aufsummieren.

Um die Vereine von dieser immensen finanziellen Belastung zu verschonen, werden im NFV-Kreis Stade Schiedsrichter schon ab 10 Ansetzungen pro Saison auf das jeweilige Schiedsrichter-Pflichtsoll des Vereins angerechnet. Dadurch werden die Vereine um weit mehr als 10.000 Euro pro Saison entlastet. Denn die Mindestvoraussetzungen von 10 Ansetzungen pro Saison schafften in der abgelaufenen Saison immerhin 127 Schiedsrichter, so dass den Vereinen lediglich ein Fehlbestand in Höhe von 53 Schiedsrichtern in Rechnung gestellt werden musste. Wenn jeder Schiedsrichter nur die vom NFV-Kreis Stade geforderten 10 Ansetzungen wahrnehmen würde, bräuchte der Kreis eigentlich unglaubliche 350 (!!!) Schiedsrichter, um den Spielbetrieb gewährleisten zu können.

Jetzt könnte jeder Fußballinteressierte im Landkreis Stade schnell denken: „Diese Panikmache ist ja alles schön und gut, aber es läuft doch trotzdem. Bei meinem Verein steht doch jedes Spiel ein Schiri auf dem Platz.“ Dies ist sogar korrekt, da knapp 99% aller Spiele immer noch mit Schiedsrichtern besetzt werden können. Doch dies geht einerseits auf Lasten der Schiedsrichter-Ansetzer, für die es jede Woche einen enormen Kraftakt darstellt, alle Spiele zu besetzten. Andererseits geht dies auf Lasten der wenigen vorhandenen Schiedsrichter: Alleine die oben genannten 58 Schiedsrichter, die letzte Saison mindestens 20 Spiele gepfiffen haben, nahmen im Schnitt 36,3 Ansetzungen wahr. Einzelne Schiedsrichter sogar über 80. Noch mehr Schiris waren sogar mehr als einmal an einem Tag unterwegs. Langfristig gesehen wird dies nicht mehr lange gutgehen, da Schiedsrichter und Ansetzer jede Saison komplett verbrannt werden und an ihrer Belastungsgrenze arbeiten.

Ein riesengroßes Dankeschön an diese Schiedsrichter. Nur durch diesen unermüdlichen Einsatz der „Vielpfeifer“ kann der gravierende Schiedsrichter-Fehlbestand im NFV-Kreis Stade noch ausgeglichen werden und ein reibungsloser Spielbetrieb gewährleistet werden. Noch!

Ein riesengroßes Dankeschön geht diesbezüglich auch an die folgenden 7 Vereine, die sogar mehr als die geforderte Anzahl Schiedsrichter, gestellt haben. Die 3 besten Vereine haben dabei sogar einen Überhang von jeweils 3 Schiedsrichtern. Sehr gute Arbeit. Eure Arbeit sollte Vorbild für viele andere Vereine sein!

Wie oben bereits thematisiert wird dieser Schiedsrichter-Überhang in Höhe von 14 Schiedsrichtern leider durch einen gesamthaften Fehlbestand in Höhe von 67 Schiedsrichtern mehr als aufgefressen, wodurch sich ein Delta in Höhe von 53 Schiedsrichtern ergibt.

Auffällig ist dabei, dass die 8 erfolgreichsten Vereine im NFV-Kreis Stade (Liga & Platzierung der 1. Herrenmannschaft in der abgelaufenen Saison) allesamt einen Schiedsrichter Fehlbestand aufweisen. Dies macht den teilweise sehr geringen Stellenwert des Schiedsrichterwesens bei den Topvereinen des Kreises im Verhältnis zu ihren Möglichkeiten deutlich. Für diese finanzstarken Vereine ist es teilweise bequemer am Ende der Saison eine Geldstrafe zu zahlen als die ganze Saison mühsame Schiedsrichter-Aufbauarbeit zu leisten. Auf jeden Fall eine sehr besorgniserregende Entwicklung.

Trotz dieses massiven Schiedsrichter-Fehlbestandes fasst der NFV-Kreis Stade die Vereine noch mit Samthandschuhen an:

  • Die Mindestvoraussetzung von gerade einmal 10 Ansetzungen pro Schiedsrichter zur Anrechnung auf das Schiedsrichter-Pflichtsoll des jeweiligen Vereins ist die niedrigste in ganz Niedersachsen.
  • Der NFV-Kreis Stade orientiert sich bei denen von der NFV-Spielordnung vorgegebenen Geldstrafen pro fehlenden Schiedsrichter an der untersten Grenze. Theoretisch würde die NFV-Spielordnung eine Erhöhung der Strafen pro fehlenden Schiedsrichter um 75 bis 100 Euro zulassen.
  • Der NFV-Kreis Stade verzichtet komplett auf die Option sündige Vereine mit einem Punktabzug zu bestrafen.

Alle Vereine im NFV-Kreis Stade sollten sich ernsthafte Gedanken machen wie lange dieser sehr kritische Zustand noch gutgeht und dafür Sorge tragen, genügend Schiedsrichter zu stellen. Diesbezüglich bietet der Kreis-Schiedsrichter-Ausschuss zwei Mal im Jahr einen Anwärter-Lehrgang an, der für alle Teilnehmenden komplett kostenlos ist. Setzt sich die oben beschriebene Entwicklung fort, sieht sich der NFV-Kreis Stade in Zukunft zu Änderungen bei der Berechnung und Bestrafung der Schiedsrichter-Fehlbestände gezwungen.

Alle weiteren Details zum Schiedsrichter-Pflichtsoll sind im Menü Schiedsrichter unter Vereins-Informationen zu finden.

Seite zuletzt aktualisiert am: 14.08.2019